Hör auf, Superhelden zu suchen. Fang an, Rollen zu klären

Viele Unternehmen schreiben Stellenanzeigen, die auf den ersten Blick engagiert wirken und auf den zweiten Blick zeigen, dass die Rolle eigentlich gar nicht existiert.

Das Ergebnis ist immer das gleiche:  Du ziehst die falschen Menschen an.

1. Das typische Stellenangebot aus der Hölle

Die Formulierungen sind überall gleich:

  • „Du hältst alles am Laufen“  
  • „Du bist die zentrale Schnittstelle“  
  • „Du bringst Ordnung ins Chaos“  
  • „Du koordinierst, organisierst, kommunizierst und optimierst“  
  • „Du erkennst Probleme früh und löst sie eigenständig“  
  • „Du übernimmst Verantwortung in verschiedenen Bereichen“  
  • „Wenn du Lust hast, kannst du auch noch XYZ machen…“  

Das klingt nach Flexibilität.  Aber in Wahrheit ist es:

„Wir haben keine klare Rolle, aber viele Probleme.“

2. Wen du damit wirklich anziehst

Solche Anzeigen ziehen immer dieselben Profile an:

  • Generalisten, die „irgendwie alles machen“  
  • Menschen, die Chaos gewohnt sind  
  • Bewerber*innen, die Abwechslung suchen  
  • Junior‑Profile, die sich überschätzen  
  • Menschen, die sich über Arbeit definieren und zu allem Ja sagen  
Was du NICHT anziehst:  

Senior‑Leute, die Strukturen bauen, Verantwortung klären und Systeme stabilisieren.

3. Das eigentliche Problem: Die Rolle besteht aus vier Rollen

Diese Anzeigen beschreiben nie eine Stelle.  Sie beschreiben vier Stellen in einer:

1) Operative Umsetzung – „Du kümmerst dich um den täglichen Ablauf.“

2) Projektmanagement – „Du koordinierst, planst, priorisierst.“

3) Prozessoptimierung – „Du erkennst Engpässe und verbesserst Abläufe.“

4) Strategische Assistenz – „Du hältst der Geschäftsführung den Rücken frei.“

Und dann kommt oft noch:

5) Bonus‑Aufgaben – „Wenn du Lust hast, kannst du auch noch…“

Das ist der Moment, in dem jede seniorige Person aussteigt.  Wenn nicht schon vorher bei der Gehaltsangabe.

Und jede juniorige Person denkt: „Cool, klingt spannend.“

4. Selbst wenn jemand all das könnte – sie hätten keine Zeit dafür

Das ist der Punkt, den fast niemand ausspricht.

Selbst wenn du jemanden findest, der:

  • strukturell denken kann  
  • operativ stark ist
  • Prozesse versteht  
  • Prioritäten setzt  
  • Verantwortung übernimmt  

diese Person kann das nicht leisten, wenn sie gleichzeitig:

  • drei operative Baustellen betreut  
  • zwei Projekte koordiniert  
  • ständig erreichbar sein soll  
  • nebenbei Prozesse verbessern soll  
  • und „wenn du Lust hast“ noch Zusatzaufgaben übernimmt  

Das ist kein Job.  Das ist eine Burnout Schleuder.

5. Warum du immer wieder die falschen Leute einstellst

Weil deine Anzeige unbewusst Folgendes kommuniziert:

  • „Wir haben kein klares Rollenbild.“  
  • „Wir brauchen jemanden, der alles auffängt.“  
  • „Wir haben strukturelle Probleme, nennen sie aber Aufgaben.“  
  • „Wir mischen operative, strategische und kreative Aufgaben.“  
  • „Wir suchen Flexibilität statt Verantwortung.“  

Und genau deshalb melden sich:

  • Menschen, die Chaos verwalten  
  • Menschen, die sich überschätzen  
  • Menschen, die Abwechslung suchen  
  • Menschen, die sich über Arbeit definieren  

Aber nicht die Menschen, die dein System stabilisieren könnten.

6. Wie du es besser machst

Bevor du eine Anzeige schreibst, kläre:

  • Welche Aufgaben gehören wirklich in diese Rolle?  
  • Welche Aufgaben sind eigentlich Systemprobleme?  
  • Welche Aufgaben gehören in andere Rollen?  
  • Welche Verantwortung braucht diese Rolle wirklich?  
  • Welche Verantwortung darf sie NICHT haben?  
  • Welche Art Mensch kann diese Rolle tragen — und welche nicht?  
  • Welches Gehaltsband der Stelle tatsächlich entspricht 

Erst dann entsteht eine Anzeige, die die richtigen Menschen anzieht.

Fazit

Stellenanzeigen sind kein Recruiting‑Tool.  Sie sind ein Spiegel deiner Organisation.

Wenn du die falschen Menschen anziehst, liegt es nicht an ihnen. 

Wenn du wissen willst, warum deine Anzeige scheitert, schick sie mir! 


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